14.04.11

Aus der Donauwörther Zeitung: Schubert-Liederabend am 09.04.2011

Die Dramatik kontinuierlich gesteigert

Tobias Scharfenberger und Marcelo Amaral bestreiten den zweiten Teil der Schubert-Reihe

Zunächst hatte die Vorsitzende des Mertinger Kulturkreises, Ulrike Hampp-Weigand, eine Änderung zu vermelden. Nicht der angekündigte Bariton Christoph Pohl war gekommen, um dem Publikum in der Mertinger Antonius-von-Steichele-Grundschule Franz Schuberts „Schwanengesang“ zu präsentieren, sondern Tobias Scharfenberger aus München, der kurzfristig die Vertretung seines Kollegen übernommen hatte. Am Flügel wie erwartet und von manchen, die ihn schon vom ersten Konzert der Mertinger Schubert-Reihe kannten, wahrscheinlich bereits ersehnt: der Brasilianer Marcelo Amaral. Im Gegensatz zur „Schönen Müllerin“ und der „Winterreise“ ist der „Schwanengesang“ kein Liederzyklus, dessen Stücke einen Handlungsverlauf beschreiben, sondern eine Liedersammlung, die erst von Schuberts Verleger, Tobias Haslinger, nach dem Tod des Komponisten zu einem Gesamtwerk verbunden wurde.

Wunderbar informationsreich dazu auch wieder das Programmheft zum Liederabend in Mertingen. Dazu gab es noch die Texte für alle Zuhörer, die aber, dank der klaren Artikulation Scharfenbergers, nur eine willkommene Ergänzung und keine Notwendigkeit waren, um den Inhalten zu folgen. Mit der „Traubenpost“ des Dichters Johann Gabriel Seidl hatten Scharfenberger und Amaral ein Stück an den Anfang des Schwanengesangs gestellt, der in der ursprünglichen Version Haslingers am Ende gestanden hatte. Doch mit dieser Umgruppierung wurde eine kontinuierliche Steigerung in der Dramatik erreicht, in die sich Tobias Scharfenberger mit ungekünstelt klingendem Bariton im Verlauf des Programms hörbar hineinfühlte und -steigerte. Sonore, weich-füllige Tiefen beispielsweise in „Aufenthalt“ standen in angenehmem Kontrast zu klar erblühenden Höhen und verhaltenen Passagen, die sich ebenfalls zunehmend steigerten und in „Die Stadt“ – „… in Abenddämmerung gehüllt“ ihren zarten Höhepunkt fanden.

Anrührende Wirkung

 

Auch das „Ständchen“ nach einem Gedicht von Ludwig Rellstab, wohl das bekannteste Werk aus dem „Schwanengesang“, verfehlte seine anrührende Wirkung im harmonischen Zusammenwirken zwischen Sänger und Pianist nicht. Ein ausgezeichnetes Gefühl für angemessenes Tempo bewiesen beide Musiker mit „In der Ferne“, das sie sehr, sehr langsam und spannungsreich verhalten interpretierten, ehe es im zweiten Teil belebter fließend zum Ende kam.

Dies war dem Publikum einen begeisterten Zwischenapplaus wert. Lyrische Stimmfärbung und Weichheit ließ Tobias Scharfenberger unter anderem in der Heinrich-Heine-Vertonung „Das Meer“ erklingen. Wie überhaupt der „Heine-Block“ des „Schwanengesangs“ des Sängers volle emotionale und stimmliche Bandbreite hervorbrachte. Wie überhaupt der „Heine-Block“ des „Schwanengesangs“ des Sängers volle emotionale und stimmliche Bandbreite hervorbrachte. Die bisweilen radikal-minimalistisch-dramatische Klavierbegleitung, in jeder Nuance exzellent herausgearbeitet von Marcelo Amaral, tat ein Übriges zur überwältigenden Wirkung dieser Stücke. „Hammerhart“, nannte Ulrike Hampp-Weigand im Anschluss die Liedersammlung angesichts der stimmlichen Herausforderung, die Tobias Scharfenberger mit Bravour angenommen hatte. Schuberts Goethe-Vertonung „An den Mond“ in der Zugabe führte die begeisterten Gäste in leichtere emotionale Gefilde, worin der Abend bei Quiche und Kuchen in geselliger Runde ausklingen konnte.

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