11.05.11

Das Publikum in Mertingen lacht Tränen über Lizzy Aumeier - Humor als Überlebensstrategie

Dass sie nicht vollschlank ist, kann sie nicht leugnen. Aber als dick will sie sich auch nicht bezeichnen lassen. So hat sie für sich entschieden, griffig zu sein. Das ist eine der Wortschöpfungen von Lizzy Aumeier, die gerne mit den Worten spielt und einige im Publikum schon auch mal bittet nicht nach jedem Gag sofort zu klatschen, „damit den anderen nicht die Zeit zum Mitdenken genommen wird“.

„Ich mache alles, was dein Mann nicht macht – den Abfall runtertragen, waschen, bügeln, putzen. Für 49 Cent pro Minute.“

In den Himmel kann sie noch nicht gelangen, die Oberpfälzer Kabarettistin, denn, so erklärt sie, „ich bin so dick, ich komm nicht durchs Ozonloch“. Aber die Zeit arbeite für sie... Dass hinter dem Witz weit mehr steckt als vordergründiger Humor, erschließt sich, wenn man vom fürchterlichen Autounfall weiß, den sie und ihr Mann, Andreas Stock, im vergangenen Jahr hatten.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht, und so reißt die beliebte Kabarettistin schon in den ersten fünf Minuten auf der Bühne in der Antonius-von-Steichele Schule in Mertingen (eingeladen von Kulturreferentin Ulrike Hampp-Weigand) einen Witz nach dem anderen über die Folgen des Unfalls, mit denen sie noch heute kämpft. Ihre schweren, halbhohen Stiefel bezeichnet sie als „Gesundheitspumps“ und der freundliche „Pfleger von der Barmer Ersatzkasse“, der ihr auf der Bühne hilft, ist niemand anderer als ihr Ehemann Andreas, der auch Regisseur ihrer Programme ist.

„Im Divenrausch“

Ganz im „Divenrausch“ präsentiert sie sich in einem tief dekolletierten Kleid und berichtet vom Work-out mit ihrem Personal-Trainer, der mit ihr „Weißbierpilates“ und „Brezenyoga“ absolviert. Lizzy Aumeier ist stolz auf ihr mit harter Disziplin erarbeitetes Lebendgewicht. Und das zeigt sie auch. Lasziv präsentiert sich die Oberpfälzerin und hält auch sonst nicht zurück mit deftiger Selbstironie. Sie lässt „einen wissenschaftlichen Vortrag mit Musik und Tanzszenen folgen“, der nicht nur die Stellung der Frau in der Geschichte, sondern auch Sexualpraktiken und historische Verhütungsmethoden zum Thema hat. So erfährt man beispielsweise, dass in der Oberpfalz noch heute das Abschießen von Störchen mit Pfeil und Bogen der Familienplanung zugrunde gelegt werde.

Am Klavier wird sie bei diesem Ritt durch die Zeit begleitet von der Bühnenkollegin und Musikerin Tatjana Shapiro und als Tänzer muss Ehemann Andreas herhalten. Das Publikum lacht Tränen über die frechen Weisheiten, für die das Verhältnis zwischen Mann und Frau und die Gleichstellungsproblematik Quelle unendlich vieler Witze ist.

Bürgermeister auf der Bühne

Ihr großer Wunsch, schwärmt sie, sei die Einrichtung einer 0180er-Nummer, einer „Ruf mich an, ich mache alles, was dein Mann nicht macht“-Hotline, denn dann hätten die Frauen endlich Männer zur Hand, die „den Abfall runter tragen, waschen, bügeln, putzen...“
und „das alles für 49 Cent pro Minute“. Besonders die Männer haben es ihr angetan, dieses seltsamen Wesen, denen Aumeiers ganze Hassliebe gilt. Auf Teufel komm raus flirtet sie mit dem anderen Geschlecht. Mal mit „Karl-Heinz“, mal mit „Albert“, den sie schnell richtig taxiert: entweder Stadtpfarrer oder Bürgermeister. Es ist das Gemeindeoberhaupt, das dezent Fett abbekommt, und doch tatsächlich in den Genuss, mit der Diva auf der Bühne eine Tändelei zu führen, geschickt von ihr inszeniert, eine Tändelei zwischen Sissi und Franz – Albert Lohner schlägt sich so gut, dass selbst Lizzy Aumeier aus dem Lachen kaum herauskommt.

Improvisierte Momente

Die wahre Kunst zeigte sich letztlich in diesen improvisierten Momenten. Und derer gab es nicht zu wenige. Sie spielte mit den Zuschauern, als säßen dort nur alte Bekannte. Intuition und kreative Spontaneität ließen ihre humorvollen Schüsse mitten hinein ins Publikum zu Volltreffern werden.

Zur Person:
- Elisabeth „Lizzy“ Aumeier stammt aus Neumarkt in der Oberpfalz.
- Während ihres Studiums am Meistersingerkonservatorium Nürnberg erhielt sie ein Stipendium des Bayerischen Rundfunks, später examinierte sie als erste Frau am Meistersingerkonservatorium Nürnberg im Fach Kontrabass – und das mit „Sehr gut“. Dieser Ausbildung folge noch ein Jazzstudium.
- Sie gründete verschiedene Ensembles, arbeitete als freischaffende Kontrabassistin und trat regelmäßig mit Gerhard Polt und Michael Well von den Biermösl Blosn auf.
- Mittlerweile gilt Lizzy Aumeier als die Entdeckung des bayerischen Musikkabaretts der letzten Jahre, was sich in fünf bayerischen Kabarett und zwei Kulturpreisen widerspiegelt.
Das Programm „Männerträume“ ist mit dem „Stern des Jahres“ ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr erhielt sie nun den Deutschen Kabarettpreis.

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