10.03.10

Ein Abend zum Träumen ...

Astrid Kessler, Akiko Kadota am Flügel und der Flötist Wolfgang Auer begeistern die Besucher in der Schulaula

Kessler/Kadota

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Rossignol, mon mignon: Einladung zu einem literarisch-musikalischen Frühlingserwachen – diese Einladung galt, wie sich herausstellte, einem zauberhaften, musikalisch höchst begeisternden Abend beim Kulturkreis Mertingen. Auch wenn der Frühling an diesem Abend in Winterstürmen unterging. Le rossignol, oiseau de légende – die Nachtigall, der Märchenvogel und die ewig schöne Blume der Liebe, die Rose, besungen und, leitmotivisch, im Märchen Oscar Wildes vorgestellt.

Astrid Kessler, die junge Berlinerin, entpuppte sich als fabelhafte Sängerin mit einem beweglichen, farbenreich nuancierten Sopran und dem „Silberstrahl“ in der Stimme. Ihr Piano trug mühelos bis in den letzten Winkel der Mertinger Schulaula und daneben ist sie eine ausdrucksstarke Gedichtinterpretin, textverständlich, mitreißend und begeisternd. Akiko Kadota am Flügel und der Flötist Wolfgang Auer – beide Mitglieder im jungen Kammermusikensemble „trio 37“ – waren in ihrer Begleitung hervorragend: funkelnd, durchaus eigene Akzente setzend, technisch brillant und doch höchst einfühlsam die Sängerin begleitend.

Alles Süßliche war diesen Musikern ein Gräuel. Stimme und Instrument glitten ineinander, verschmolzen zu fast sphärischen Klängen, in Pans Flöte spürte man den Sonnenglast über den hitzeflirrenden Sumpflandschaften des Midi, im Lied der Nachtigall die Sehnsucht, den Jubel … Das macht, es hat die Nachtigall/ Die ganze Nacht gesungen;/ Da sind von ihrem süßen Schall,/ Da sind in Hall und Widerhall/ Die Rosen aufgesprungen … Kurzweilig, zum Kern hinführend jeweils die Vorstellung des vertonten Gedichtes, bevor die Stimme im Lied übernahm.

War der erste Teil des Konzertes noch „französischer“ im Charakter der Stücke, war mehr „sentiment“, auch Laszivität in den Vertonungen von André Caplet (Une flûte invisible), Albert Roussel (Ciel, aer, et vent) zu spüren, drückte die Musik Ravels, Debussys oder Léo Sachs‘, doch die gleiche Sehnsucht (besonders nach Fremdexotischem, das die Musiker dieser Zeit, inspiriert durch die Pariser Weltausstellung 1889 so faszinierte), das gleiche Sichverzehren aus.

Eine Zugabe erklatscht

Begeistertem Beifall des Publikums folgte eine Zugabe, die sozusagen aus transzendenter Höhe zum Konzertbeginn zurückführte – musettewalzerleicht „La Chamade“, mit atemberaubenden Tempiwechseln, von tiefstem Alt zu höchster Höhe, zartem Piano zum entschiedensten Forte, jubilierten die Sängerin und die Instrumente. Der gesamte Abend: ein schwelgerischer Genuss, Balsam für die träumende Seele …

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