03.03.11

Konzertbesprechung vom 25.02.2011: Ein zwiespältiger Eindruck…

"Tastenmagier" Franz-Liszt-Jubiläumskonzert mit Moderation und Klaviervortrag von Prof. Christian Elsas

Dem Virtuosen, Salonlöwen, Künstler und Menschen Franz Liszt in seinem 200. Geburtsjahr war das Konzert mit dem Konzertpianisten Christian Elsas gewidmet. Nicht die große Virtuosität Liszts stand jedoch im Vordergrund, sein Thema war der musikgeschichtliche Zusammenhang mit Johann Seb. Bach und dem Zeitgenossen Robert Schumann, dem „Poeten“ am Klavier. Zwischen den Musikstücken erzählte Elsas von den Künstlern und ihrer Musik, jeweils gepaart mit seinen eigenen Gedanken – interessant und spannend, gelegentlich jedoch ausufernd. Aufgrund des ihm eigenen Charmes entstand auf diese Weise gleichwohl eine angenehme Konzertatmosphäre.

Es war ein sehr besonderes Konzert, dem Prof. Christian Elsas durch seinen eigenen Stil und Gestaltungswillen eine besondere Note gab. Und trotzdem – das Konzert hinterließ einen zwiespältigen Eindruck.

Erwartet wurde eingangs der„geistliche“ Liszt mit der „Bénédiction de Dieu…“ – leider änderte der Pianist sein Programm und spielte die Klavierkonzerte f-Moll, BWV 1056 und E-Dur, BWV 1053 J.S. Bachs. Hier, wo es auf jede Note ankommt, entsprach sein Spiel jedoch nur allzu sehr seiner Ankündigung, er gehöre zu den Pianisten, deren Spiel "nicht durch äußerliche Virtuosität, sondern durch Tiefe des Empfindens" geprägt sei. Im wohl bekanntesten, von vielen Künstlern transponierten wunderbaren f-Moll Konzert, war von Virtuosität eher wenig zu spüren. Der das gesamte Programm auswendig spielende Pianist hatte Probleme, die Töne zu treffen, verlor gar vollständig den Faden. Nur mit Mühe kam er wieder in den Melodiefluss. Besser gelang ihm das E-Dur Konzert mit dem „modern“ anmutenden Mittelsatz in cis-Moll und den beiden schnellen, flirrenden, strahlenden, transparent gespielten Ecksätzen. Da war Prägnanz zu hören trotz Temposchwankungen, und obwohl es der falschen Noten ein paar zu viele gab…es blitzte jene Könnerschaft auf, für die der Pianist doch bekannt ist!

Ausblicken auf Robert Schumann, auch seiner Beziehung zu Franz Liszt – für Schumann ein phänomenaler Virtuose, „aber mit Komposition kommt er nicht zurecht“, folgten ausgewählte Stücke aus dem „Carnaval“ op. 9. Hier begegnen sich Figuren des Karnevals, Fantasiegestalten, der comedia dell arte. Der traurige Pierrot, der draufgängerische Harlekin, die Personifikationen Schumanns im Valse noble, in Eusebius und Florestan…. Ungestüm und innehaltend seelenvoll, tänzerisch komponierte Schumann die einzelnen, seinen besonderen Humor widerspiegelnden Miniaturen. Auch wenn der Pianist das Pedal gelegentlich arg strapazierte, gelang ihm hier doch eher, seinem erzählenden Anspruch gerecht zu werden.

Dann endlich Liszt: Nach der „Dante“-Fantasie folgte mit den „Funérailles“ ein eindrucksvolles Tongemälde, das faszinierend Klage und Kriegermarsch verschränkt, und klanglicher und spieltechnischer Höhepunkt des Konzerts war. Ausführlich die Erklärung zu diesem „Musikalischen Brief“ Liszts, seinem „Friedensappell“. Es folgten heroische Akkorde, ein bewegender Trauermarsch und hämmernde Bassoktaven, in denen Liszt den Tod dreier Freunde in der Ungarischen Revolution und deren Niederschlagung im Oktober 1849 verarbeitet. Hier musizierte Elsass expressiv, gab das unaufhaltsame, maschinengleiche Kriegsgeschehen und die Trauer um die Gefallenen eindringlich wieder.

Vergessen war danach der erste Teil – verdienter Beifall brandete auf. Der Interpret gab eine Miniatur Edvard Griegs, dessen Musik Franz Liszt begeisterte, als Zugabe zum Besten.

An dieser Stelle sei dem Mertinger Publikum Respekt gezollt: es nahm freundlich hin, dass der Pianist wohl nicht seinen besten Tag hatte: es goutierte die Lebensleistung des Künstlers, der nunmehr über 45 Jahre sich auf dem Konzertpodium behauptet – und die doch immer wieder aufblitzende Könnerschaft..

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Prof. Elsas


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