09.02.11

Kulturkreis: Christian Segmehl und Ingo Dannhorn gewähren Publikum das eher seltene Hörerlebnis Saxofon und Klavier

Spannend und anregend zugleich

 

„Lassen Sie sich von den modernen Klängen nicht erschrecken“, warnte Ulrike Hampp-Weigand, Vorsitzende des Mertinger Kulturkreises, das Publikum in der Antonius-von-Steichele-Schule zu Beginn des Konzertes mit Christian Segmehl am Saxofon und Ingo Dannhorn am Flügel. Sie seien nicht schwierig zu hören, nur anders. Und mit der Sonate in Es-Dur (BWV 1031) von J. S. Bach stand ein Werk am Anfang, das mit vertrauter barocker Harmonik und Rhythmik einen sanften Einstieg in das eher seltene Hörerlebnis Saxofon – Klavier erlaubte. Doch gerade durch diese bekannten Klänge, die Vergleiche mit zuvor gehörten Versionen erlaubten, wurde schon nach den ersten Takten deutlich, in welch spannendem und musikalisch anregenden Ereignis man hier gelandet war.

Bereits in diesem eigentlich für Querflöte und Cembalo komponierten Werk, welches Segmehl auf dem Sopransaxofon spielte, wurde das symbiotische Zusammenspiel beider Interpreten beispielsweise in den Passagen parallel geführter Oberstimmen aber auch in den sich einander umspielenden Phrasen der einzelnen Instrumente deutlich. Das heitere und zugleich von einem leisen, sehnsuchtsvollen Unterstrom
abgedunkelte Allegro moderato geprägt vom stetigen Fluss barocker Stimmführung, das Siciliano mit fantastisch zartem Pianissimo des Saxofons, die Qualität des abschließenden beschwingten Allegro ließen hohe Erwartungen im Publikum entstehen, die im weiteren Verlauf des Konzertes in vollem Umfang erfüllt und wohl gerade durch die ungewöhnliche Auswahl der Stücke und das damit verbundene besonders reizvolle Hörvergnügen noch übertroffen wurden. Und reizvoll meint in diesem Zusammenhang nicht einfach schön oder zauberhaft, sondern im wahrhaften Wortsinn voll von Reizen, angenehmen, belebenden, neuen Reizen. Für die „Fuzzy Bird Sonata“ des zeitgenössischen japanischen Komponisten Takashi Yoshimatsu griff Christian Segmehl zum Altsaxofon. Mit teilweise experimentellen Klängen wie dem Slap, der mittels einer bestimmten Zungentechnik in Verbindung mit dem Blatt am Mundstück des Saxofons einen Popp-Laut hervorruft, mit expressiver Rhythmik und Tonalität entstand die plastische Vorstellung eines herumhüpfenden Vogels.

Reich an Reizen

Weiter standen die Komponisten Darius Milhaud, Jules Demersseman und Astor Piazzolla auf dem Programm. Waren deren Stücke ebenfalls sehr reich an Reizen, so stach doch das Werk des 1968 geborenen deutschen Komponisten Frank Zabel mit dem Titel „Beyond silence and dispair“, das sich an Bildern von Edvard Munch orientiert, durch seine Modernität und harmonische Freiheit hervor. Ein Czardas des zeitgenössischen spanischen Saxofonisten Pedro Iturralde gab Christian Segmehl erneut Gelegenheit, seine große Virtuosität und stilistische Bandbreite zu demonstrieren. Wenn auch das Saxofon in seiner selteneren Funktion in der E-Musik bei diesem Konzert als weniger gewohntes Instrument im Vordergrund stand, so ist doch die Leistung des in Mertingen bereits durch vorangegangene Auftritte bekannten Ingo Dannhorn keineswegs geringer zu schätzen. Gemeinsam gelang den Musikern ein brillantes Konzert, ein in diesem Rahmen doch etwas „anderes Konzert“ wie Hampp-Weigand es ausdrückte.

Am Rande notiert:

Der Kulturkreis Mertingen ist jüngst als Veranstalter für den Deutschen Musikrat akzeptiert worden. Dies berichtete die engagierte Veranstalterin zum Abschluss des Abends mit Freude.

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Flyer 04.02.2011 (213,89 kB)