
Mertingen und seine Ortsteile.
Ein Streifzug durch die Geschichte.
Mertingen kann auf eine reiche Geschichte zurückblicken. Früheste Spuren menschlicher Besiedlung finden sich in unserer Gemarkung bereits in der Altsteinzeit (100.000 - 35.000 v. Chr.), als der Neandertaler lebte. Dies belegt der seltene Einzelfund eines Faustkeils auf dem Höhenrücken südöstlich von Mertingen. Auch von den nachfolgenden Zeitabschnitten - Jungsteinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit - sind Funde bekannt. An die letztgenannte Zeitepoche (8. - 5. Jh. v. Chr.) keltischer Kultur erinnern noch sichtbare Überreste von Grabhügeln im Wald.
Im Sommer des Jahres 15 v. Chr. eroberten zur Zeit des Kaisers Augustus zwei römische Heeresgruppen den Alpenraum und drangen bis zur Donau vor. Sie besetzten diese neu erworbene Provinz Raetia und sicherten sie unter Kaiser Claudius (41 - 54 n. Chr.) durch den Bau von Militärstraßen und Erdkastellen. In dieser Zeit entstand auch das Kastell Burghöfe, das mit einer Ausdehnung von etwa 150 m Länge und 140 m Breite bis zum Jahre 120 n. Chr. Unterkunft für 500 Mann Besatzung bot. Hier endete auch die römische Fernstraße „Via Claudia Augusta“, die das italienische Mutterland von Hostilia (südl. von Verona) über die Alpen hinweg mit dem Donaugrenzgebiet verband. Der Standort Burghöfe gewann in den Jahren 259/60 abermals an Bedeutung, als die Römer ihr inzwischen neu erobertes Limesgebiet im Norden aufgeben und sich wieder bis zur Donau zurückziehen mussten. Diese Grenze schützten sie erneut mit einem Kastell, das sie unweit der ersten Befestigungsanlage am äußersten Teil des Burgberges auf einem geschützten Geländesporn errichteten.
Als um die Mitte des 5. Jh. die letzten Romanen ihren Rückzug angetreten hatten, besiedelten die aus dem Norden eingedrungenen Alamannen nach und nach das Land südlich der Donau. Die Kolonisten der Merowingerzeit bestatteten ihre Toten in Reihengräbern. Der bedeutendste Friedhof mit 32 Gräbern samt reichen Grabbeigaben (Waffen und Schmuck) wurde 1969 in der Flur „Wörthfeld“ bei den drei Kreuzen entdeckt. Aus diesen und weiteren Funden lässt sich vermuten, dass Mertingen bei der Landnahme von den Alamannen gegründet worden ist.
Erstmals wird der Ort „Mardinga“ im Jahre 969 in einer Stiftungsurkunde des Bischofs Ulrich erwähnt, als ein gewisser Liuto drei Hufen Land an das Augsburger Damenstift St. Stephan für seine ins Kloster eintretende Tochter abgibt. Auf die Urpfarrei Mertingen, deren Anfänge zeitlich viel weiter zurückreichen, weist zunächst das Patrozinium des hl. Martin hin, wie auch ihre einstige große Ausdehnung als Urmark mit den Orten Auchsesheim, Nordheim, Zusum, Schwadermühle, Bäumenheim und Heißesheim. Im 11. Jh. waren in Mertingen die Grafen von Dillingen, die Mangolde von Werd und die Bistümer Augsburg und Passau begütert. Als der Augsburger Domprobst Udalrich zum Bischof von Passau geweiht wurde, schenkte er im Jahre 1111 dem dortigen Domstift Güter aus Mertingen. Das Lehengut Mertingen wurde ab 1150 von König Konrad III. an den Herzog Welf VI., an Kaiser Friedrich I. Barbarossa und an den Bischof von Passau weitergegeben. Im Jahre 1193 gewann Kaiser Heinrich VI. Mertingen durch Tausch wieder für das Reich zurück und Konradin von Hohenstaufen (1258 - 1266) ließ es, wie die benachbarte Stauferstadt Donauwörth, durch einen königlichen Vogt verwalten. Im späten Mittelalter besaß die Reichspflege Wörth die überwiegende Grundherrschaft zu Mertingen. Weil sich Donauwörth von der Jurisdiktion immer weiter zurückzog, bildete sich Mertingen zum Hauptort mit eigener Gerichtsbarkeit heraus. Auf der Anhöhe zwischen Mertingen und Druisheim wurden die vom Hochgericht zum Tode Verurteilten am Galgen hingerichtet. 1301 zog König Albrecht I. von Habsburg die Reichspflege als ehemaliges Reichsgut gewaltsam ein. Nach mehrfachem Besitzwechsel wurde die Pflege 1536 mit allen Rechten an die Fugger abgetreten. Für kurze Zeit erwarb Donauwörth 1723 abermals von den Fuggern die Pflege und verkaufte sie schließlich 1739 an den bayerischen Kurfürsten. Sie blieb bis 1806 als eigenes Territorium mit dem Sitz Mertingen erhalten und wurde letztendlich dem Königreich Bayern einverleibt.
Beeinflusst durch die Donauwörther Fahnenschlacht zwischen Protestanten und Katholiken im Jahre 1606, nahmen die Spannungen zwischen den Bekenntnissen immer mehr zu und entfesselten durch den Prager Fenstersturz den Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648). 1634 lagerten 15.000 schwedische Soldaten bei Mertingen und verübten unvorstellbare Gräueltaten. Während die Nachbarorte Heißesheim, Asbach und Bäumenheim völlig niedergebrannt wurden, blieb in Mertingen wenigstens ein Drittel der Häuser erhalten.
Nach dem Großen Krieg folgte der Spanische Erbfolgekrieg (1701 - 1714), der zwischen Frankreich und Österreich entbrannt war und abermals Spuren der Verwüstung in unserer Heimat hinterließ. 1704 fielen nahe bei Mertingen in der Schlacht am Schellenberg 12.000 verbündete Bayern und Franzosen; bei Blindheim erlitten sie kurz danach eine weitere Niederlage. Auch im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740 - 1748) war die Reichspflege dreißig Jahre später wieder einmal um Donauwörth herum den Verheerungen durch Freund und Feind ausgeliefert. Die Französische Revolution von 1789 erschütterte ganz Europa. Zweimal, in den Jahren 1796 und 1800, drangen französische Truppen in Mertingen ein. Ein weiteres Mal kamen sie als Verbündete der Bayern zu uns: Als am 6. Oktober 1805 erneut der Krieg ausbrach, standen sie mit 200.000 Mann an der Donau und zogen drei Tage lang durch Mertingen - Napoleon war unter ihnen. Von seinem verhängnisvollen Russlandfeldzug im Jahre 1812 kehrten 30.000 bayerische Soldaten - unter ihnen sechs Mertinger - nicht mehr zurück.
„Herrlichen Zeiten führe ich euch entgegen!“ hatte Wilhelm II. verkündet, als der Erste Weltkrieg (1914 - 1918) ausbrach. Neben 56 toten und 7 vermissten Soldaten waren Not und Geldentwertung die Folge. Noch viel schlimmer endete der Zweite Weltkrieg (1939 - 1945): Die 1.200 Einwohner zählende Gemeinde beklagte 112 Gefallene, 17 Vermisste und 11 Heimat-Tote. Familien waren zerstört, Existenzen vernichtet, 800 aufzunehmende Heimat-vertriebene standen vor dem Nichts. Dank des Fleißes aller Bürger gelang in Mertingen wieder ein neuer Aufbruch.
Die Kirche St. Martin:
Die Anfänge der Urpfarrei Mertingen liegen im Dunkel der Geschichte. Das Martinspatrozinium deutet auf eine sehr alte Gründung hin. Urkundliche Erwähnung findet die Kirche im Jahre 1096. Aus dieser Zeitepoche stammen die vier romanischen Untergeschosse des Kirchturmes, die auch den Kirchenbrand von 1678 überstanden haben. Der Neubau der Kirche erfolgte erst 1727 durch Joseph Schmutzer; die Kirchenweihe fand 1761 statt. Johann Baptist Enderle, Joseph Leitkrath und vermutlich Johann Georg Bschorer bereicherten durch ihre Werke die schmucke Barockkirche.

